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Meinrad Braun |
Biographie: Während des Studiums in Freiburg Auftritte in freier Theatergruppe In seinem Debüt-Roman »Winterreise« rollt Meinrad Braun ein Road-Movie vor uns Lesern aus, das von den vielen eingebetteten Episoden lebt. Traumhaft, wie die gesamte Reise verläuft, stolpert der Protagonist Brenner beispielsweise in die Welt eines nächtens kampierenden Zirkusses und begegnet einer ebenso verstörten wie betörenden Artistin: Sie war ihm so nahe, dass er, wäre die Scheibe nicht gewesen, ihren Mund hätte küssen können. Gleichzeitig konnte er sich der Tatsache nicht verschließen, dass ihn das Mädchen gar nicht sah. Diese Scheibe bleibt Grundmoment des Romans. Wie Meinrad Braun seine Leser in die Bemühungen, sie zu durchdringen, verstrickt, ist eine der Besonderheiten des Buches. Er fasste mit der Fingerkuppe leicht an das Glas. Da schloss sie die Augen, als habe sie die Berührung gespürt und Brenner sah staunend, dass ihre geschlossenen Lider von einem zarten bläulichen Geäder überzogen waren, das ihm wie von fremder Hand aufgemalt erschien. – Brenner staunt, mit einer neuen Hellsichtigkeit ausgestattet, über die Menschen. Er sieht dickes Fell, Narben, dünne, verletzte Haut. |
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Winterreise Roman 176 Seiten, 3 933974 59 3, 19 Euro Hardcover, Reihe Die Hauptwerke
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Wir schreiben das Jahr 1953. Der Pathologe August Brenner begegnet nach fünfzehn Jahren seinem emigrierten Schulfreund Heinrich wieder: Dessen Leichnam liegt vor ihm auf dem Sektionstisch. Brenner sah zu den Reihen der Studenten hinauf. Noch immer bildeten die Gesichter, durch die steilen Stuhlreihen übereinander gestaffelt, ein schwer lesbares aber einheitliches Muster, gebannt vor der Endgültigkeit des Todes. Kurz danach wird Brenner vermißt. Er hat sich mit der Schallplatte von Schuberts »Winterreise«, einer Schachtel Veronal und einem Pappkoffer mit Heinrichs letzten Utensilien auf den Weg gemacht. Brenner kann keine Leichname mehr sezieren, er sucht die Spuren seines eigenen Lebens, vielleicht aber auch den Tod. Auf dieser Reise durch die Trümmerlandschaft Nachkriegsdeutschlands begegnet er abgebrühten Kriegsteilnehmern, einer verrückten Artistin, Erfindern und einer charmanten Diebin, einem zwanghaften Schrottsammler und der ehemaligen Geliebten, die ihn nicht erkennt. So alt wie das Jahrhundert ist Brenner – ein Zeuge der Utopien seiner Generation und ihrer Wirkungen. In diesen Jahren nach der Zerstörung und vor dem neuen Aufschwung scheint das Land selbst, durch das er reist, ein sezierter Leib, sein aufgeschnittenes Gewebe tritt zutage. Am Ende der Reise wird sein Verschwinden erklärbar und Brenner mag wieder zu Hause sein – zurückgekehrt aber ist er nicht. |
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