|
Dieter Frankenberg im axel dielmann – verlag Frankfurt am Main |
Seit der Schulzeit besucht er regelmäßig die Abendklasse der Frankfurter Städelschule. Sein Lehrer ist Walter Hergenhahn, Meisterschüler von Max Beckmann. Seit 1994 schreibt er Lyrik. |
| |
![]() |
Wir Nachkriegskinder Eine Abitur-Klasse des Jahres 1958 erinnert sich 352 Seiten, 15,80 Euro ISBN 978-3-86638-152-0 Softcover mit sehr vielen Abbildungen. Folge-Band zu »Mein Kriegsende«, herausgegeben von Manfred Rossa und Manfred Walther. |
2005 legte eine Frankfurter Abiturklasse von 1958 das Buch »Mein Kriegsende« vor – eine der ersten großen Dokumentationen, wie die damaligen Kinder den Übergang aus den Kriegserlebnissen in die Friedensjahre erlebten. – Nun setzt die Klasse der heute 70-Jährigen ihre Erinnerungsarbeit fort:
Der Aspekt des Überganges von einem Gesellschaftssystem in ein anderes, rückblickend aus der Sicht der jungen Menschen geschildert, spielt dabei immer zentral herein. Neben einem Überblick über die Nachkriegszeit insgesamt, angereichert um einige feuilletonistische Anmerkungen, wird die Schulzeit nach dem Krieg und das Zusammenfinden der Klasse in der Bockenheimer Liebigschule mit einem Porträt des Klassenlehrers Dr. Fleckenstein gegeben. Fünf der ehemaligen Schüler und Ihre Fährnisse sind zudem durch Porträts aus der FAZ »Eine Klasse für sich« (Stange, Rossa, Völker, Frankenberg, Scherzer) vorgestellt – und einige Klassenkameraden zeigen in Einzeltexten wichtige Themen und Weichenstellungen aus ihrem Leben auf. Eine Vielzahl von unveröffentlichten Fotos machen den zweiten Band der Abitursklasse zu einem Zeitdokument besonderer Eindringlichkeit und Dichte. – Die unermüdliche Arbeit von Herausgeber Manfred Rossa, beim ersten Band zusammen mit Manfred Walther, nun gemeinsam mit Dieter Frankenberg, hat das Ziel, das durch den Untertitel betont ist: neben der beklemmenden Vergangenheit immer wieder die Zukunft herauszustellen – »Nach Krieg und Not in eine hellere Zukunft«! |
|
![]() |
glitzerträume / blau 34 kurze geschichten von 5 Autoren 184 Seiten, 16 Euro ISBN 978-3-86638-156-8 Mit Reproduktionen von 7 Holzschnitten |
Einmal im Monat treffen sich fünf Autorinnen und Autoren. Dann diskutieren und lektorieren sie ihre Texte, die sie je zu einem festgesetzten Thema wie »Das erste Mal«, »Die Feier« oder »Rückenwind« verfasst haben. Dann werden Charaktere hinterfragt, Passagen gestrichen, oder es wird ein neuer Schluss gesucht. Manchmal sind sie sich einig – manchmal wird gestritten. Das funktioniert so seit vielen Jahren – vielleicht, weil vorher gemeinsam gegessen wird. Nun gibt es das Buch mit 34 kurzen Geschichten. Über die Lust am Essen, über den Zufall, wie er Schicksal spielt, über die Liebe und den Morgen danach. Geschichten auf dem Schützenfest, im nächtlichen Wald und auf Teneriffa. Über eine folgenreiche Laufmasche am Samstag Nachmittag und eine Taufe ohne Pfarrer. Geschichten von einem Gasmann, der zweimal klingelt, einem Professor mit Handschellen und einem Hasen in der Hängematte. Die Auswahl reicht von Humoresken bis zu klassischen Kurzgeschichten. Sie erzählen Trauriges, Rührendes, Ungutes, Niederträchtiges. Lektüre für eine Viertelstunde – die sich aber für Jahre einbrennt, wenn etwa die Seelennot eines missbrauchten Kindes in der Kippfigur einer sich freischälenden Ich-Erzählung geschildert wird oder ein ganzes Knechtsleben auf vier Seiten voller dörflicher Quälereien und Verhöhnungen gepreßt ist. Die Prosa spannt den Bogen, schlaglichtartig verdichtet, von der winzigen Begebenheit mit seelischer Langzeitwirkung bis hin zum großen historischen Thema.
Dieter Frankenberg ist auf dem nebenstehenden Foto der »Göttinger 5« links sitzend zu sehen. Eine seiner Erzählungen aus dem Band finden Sie am Ende dieser Autoren-Seite: »Ein Samstagnachmittag« |
|
![]() |
Der Profit Holzschnitte und Gedichte 56 Seiten, 10 Euro ISBN 3-933974-20-8 von Hand fadengeheftet Der Profit enthält 22 Abbildungen nach Holzschnitten des Autors. Formate der Originalarbeiten zwischen 30 cm x 45 cm und 45 cm x 60 cm.
|
|
Ein Samstagnachmittag „Du hast eine Laufmasche.“ Sabine drehte ihren Kopf, sah aber nichts. „Wo denn?“ „Oberhalb der Kniekehle. Rechts.“ Aus dem Bad holte Klaus einen Spiegel. „Die ist doch noch ganz kurz. Sieht niemand beim Einkaufen. – Tschüss dann.“ Klaus hatte Wohnungsdienst: Saugen, Wischen, Staub putzen. Nach drei Stunden intensiver Arbeit goss er sich einen Cognac ein. Endlich Wochenende. Sabine und er würden heute Abend essen gehen. Darauf freute er sich. Er griff nach dem Magazin der Wochenzeitung. Aber die Beiträge langweilten ihn. – Wo bleibt sie denn nur? Der Einkaufszettel war kurz, nur ein paar frische Sachen. Der Bauernmarkt ist mit dem Auto in fünf Minuten zu erreichen. „Hallo, bin wieder da.“ „Musste die Kuh erst noch gemolken werden?“, frotzelte Klaus. „Ja! Bin mit dem Melken etwas aus der Übung. Nein, Quatsch. Ich habe Inge endlich mal wieder getroffen.“ Klaus stand in der Küchentür. Sabine zog ihre Jacke aus und hängte sie über einen Bügel. Die Laufmasche in ihrer Strumpfhose reichte von der Kniekehle bis zum Saum ihres Minikleides. „Klaus, mach dich nicht so breit in der Tür. Ich komm’ gar nicht vorbei – was ist los? Irgendwie bist du gar nicht da.“ Sabine drückte Klaus den Henkel des Einkaufskorbes in die Hand. Sie ließ sich in einen Sessel fallen. „Du warst lange weg. Ich dachte schon, du bist ins Schwimmbad gegangen oder hast etwas anprobiert.“ „Ich hatte doch kein Schwimmzeug dabei. Außerdem hätte ich dir das gesagt. Und zur Anprobe hätte ich heute nicht den Nerv gehabt.“ „Ziehst du deine Strumpfhosen manchmal auch links herum an?“ „Ja, wenn ich in Eile bin. – Klaus, was soll das! Bisher hast du nie bemerkt, dass ich ab und zu Strumpfhosen links herum anziehe. Es ist doch egal, ob links oder rechts.“ „Deine Laufmasche ist länger geworden.“ Sabine erhob sich aus dem Sessel und schaute zum rechten Bein: „Ich sehe nichts.“ „Oberhalb der Kniekehle.“ Klaus schob Sabine vor den Garderobenspiegel. „Ich sehe nichts am rechten Bein. Was soll das ganze Theater. Das Wort Laufmasche kann ich nicht mehr hören.“ „Das glaube ich dir. Vielleicht solltest du deine Laufmasche am linken Bein bewundern!“ „Klaus, spinnst du?“ „Du willst deine Laufmasche nicht begutachten?“ „Nein! Ich wusste gar nicht, dass du dich an Kleinigkeiten aufgeilen kannst.“ „Oh, doch! Kleinigkeiten, die Leben verändern.“ „Eine Laufmasche?“ „Die nicht. Aber eine, die wundersam vom rechten zum linken Bein gelaufen ist.“ Sabine starrte Klaus an. Wie eine Salzsäule stand sie da. |
|