Gert Reising

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Gert Reising ist 1946 in Seligenstadt, Hessen, geboren. Lebt seit 1978 im wunderbar badischen Karlsruhe als freier Schriftsteller und erlebt sich inzwischen inmitten seiner Frau und zweier Knaben als alter Gott, nachdem er dort viele Jahre als Kurator der Kunsthalle wirkte.

Was soll ich schon über mich erzählen? Alter, Größe, Gewicht im Wechsel, Geschlecht, Familie, Vorlieben, die Quersumme aller meiner Bankgeheimzahlen? Denkste. Habsevergessen. Nichts. Das könnte ich bei der Post, der Eisenbahn, der Ärzteschaft, den Supermärkten, Tankstellen, der CIA/USA oder den Banken erfragen, aber das ändert sich doch auch. Die Grenzbereiche der Intimität sind uninteresasant, da sie ohnehin inzwischen fast öffentlich sind.

Es bleibt, um weiter darauf herumzureiten, so lange unwichtig, so lange ich damit nicht an die Öffentlichkeit trete oder einen öffentlichen Zusammenhang herstellen möchte, oder, besser noch: muß, falls ich es nicht verhindern kann. Aber damit fängt es doch an … (aus: Alb träumt – Roman über Jean Arp und seine Skulpturen, siehe unten)

Siehe auch Rainer Schneider (Pseudonym von Gert Reising)

Pressestimmen: Badische Neueste Nachrichten, 07.05.2020

taz Wochenende, 10. / 11.10.2020

 

Im Hambacher Wald

Im Hambacher Wald

  • Hardcover
  • 88 Seiten
  • mit rund 70 farbigen Fotos
  • und langem Essay

978-3-86638-274-9

16.00 € Bestell-Anfrage

Die Berliner Fotographin Sophie Reuter und der Karlsruher Autor Gert Reising kennen den »Hambiwald« seit Jahren und haben in Lluna mitten im Wald beschlossen, eine Publikation zusammen zu tragen, die zum einen die letztlich gescheiterte Räumung 2018 und zugleich eine Art Bericht über das Umfeld zeigt: eine Feldforschung im Sinne europäischer ­Ethnologie. – Die Fotographien dazu sind in Teilen zu sehen auf der Website von Sophie Reuter.

Es ist eine Expedition in den Kolonialismus des frühen 21. Jahrhunderts, der überraschend viele Parallelen zum Paternalismus des mittleren bis späten 19. Jahrhundert aufweist. Sie beginnen mit dem gnadenlosen Selbstverständnis der Eroberer, die den Einheimischen ihre angeblich demokratische Ideologie aufzwingen, sie damals Menschenfresser und Untermenschen nannten und sie in Konzentrationslagern verkommen ließen. Heute nennt man die Widerständigen gewaltbereite Linksradikale und Gesetzesbrecher. Beide Male zielt das auf die Ausrottung von Kulturen durch die industrielle Zivilisation.

Die bislang gescheiterte Eroberung des Hambiwaldes versucht, sich nicht nur den Geländegewinn zugunsten der Kohlegewinnung zunutze zu machen, sondern auch, die gesellschaftlichen Strukturen im Wald zu zerstören, die hierarchiefreie Organisation flacher Strukturen und die freien und offenen Kommunikationsformen derer aufzulösen, die sich untereinander Menschen nennen, sie sind auf jedweder Gleichheit unter­einander: eben gelebte Demokratie aufgebaut – hiervon legt die offene ­Lebensweise ohne bürgerliches Sentiment in den Baumhäusern ein beredtes Zeugnis ab. Es gibt bis heute eine vergleichbare Struktur bei den Nuer im Sudan, die ihre Konflikte ebenso gewaltfrei zu lösen suchen – und selbst die Eroberung des Sudans durch England vermochte dies nicht auszulöschen.

 

Die Krähen

Die Krähen

Georg Büchners Werk, III. Lieferung

  • Schwäbische Broschur
  • 144 Seiten
  • mit Titelabbildung von
  • Matthias Lutzeyer

978-3-86638-234-3

16.00 € Bestell-Anfrage

Natürlich ist viel über Georg Büchner geschrieben worden, beispielsweise von Norbert Abels in unserer 16er-Reihe – aber so nahe dran, so in seinem Fluß? – Gert Reising beginnt die

553 zehnzeiligen Textpakete zu »Georg Büchners Werk, III. Lieferung« so:

 

Ich erzähl mal, ohne groß nachzudenken, so vor mich hin: Meist leben wir

mehr oder weniger bewußt in unsere verhältnisse hinein, wie auch anders.

Und anders? Etwa kopfüber, hä, hopp, hinaus, kopfunter? Wir erleben nicht

anders, wie auch, sie sind da und dies inmitten all der äußeren wichtigkeiten

und bestimmungen unseres, es bleibt unseres, unser leben, auch durch

andere und anderes hindurch. Wir klammern uns an unser leben, als sei es immer

neu, und es scheinen zunächst auch die eigenen zu sein, dochdoch, aber

es sind leider am wenigsten die selbständigen einflüsse, und diese wirken

zunächst umso notwendiger, um sich zu erhalten. Das ändert sich schnell, selbst

wenn man all die abhängigkeiten allesamt bewusst wahrnähme.

 

Schluss mit mozart im bauch, alles verräumt, ende des kugeligen paradieses,

du säugetier. So bleibt es, meistens das ganze leben über, und mancher

zauber zerplatzt zu früh oder gar nicht. Bist du dazu bereit, (m)ein liebes

tier zu bleiben, ob du willst oder nicht? Schon vor dem ersten erkenn­baren

wachsen wird man dazu abgerichtet, sich an vieles zu gewöhnen, aber lass

dich nicht kleinkriegen; häufig wird dies später alles und wiederholt als

ununterbrochenes zärtliches verwöhnen angepriesen, als seien wir allesamt

antike heroen: nein, alles wendige not, alles andere ist quatsch, denn die

erinnerung an erleichterungen ist schon längst zu einer ungeeigneten, zu

einer zwar vielleicht fein genannten, aber sehr flüchtigen idee verkommen.

 

Dir geht es noch gut, sieh dir mal die anderen an, es sind immer andere …

 

SEDNA

SEDNA

Aus der Ferne zu träumen

  • 956 Seiten
  • Ein Kunst-Roman
  • Hardcover mit Lesebändchen

978-3-86638-185-8

22.00 € Bestell-Anfrage

Dies ist der Künstlerroman einer Zeit großer Umbrüche:

Ein Künstler erzählt satte Balzac’sche Geschichten, bukolische Träume und blaubärtige Schnurren – nicht nur aus dem eigenen langen abenteuerlich-bunten Leben.

SEDNA birgt farbige Episoden aus dem Leben und Kampf dieser Zigeuner unserer Zivilisation, von Frauen, von Männern aus der Kunstwelt. Auch von Missverständnissen, vom Unverständnis zwischen uns und ihnen, zwischen eifersüchtigen Kollegen und wunderschönen Modellen, einem Leben voller Zweifel und Wut, auch über ihr eigenes Werk, von Rage, wenn sie voller Verzweiflung heranwachsende Meisterwerke kurz vor der Vollendung zerschlitzen. – Wir träumen alle von den kleckernden Männern und den geschürzten Mägden mit dem picassonesk-sicheren Blick, ihrer malerischen Kluft, würden gerne selbst unsere Verlegenheiten abstreifen, ihr Genie in uns entdecken, es teilen, mit ihnen über ihre Bilder streiten, die wir später sehnsuchtsvoll in den Museen sehen: vom Meister der roten Hand, dem des steinernen Gastes, Sandro Botticelli, Ligier Richier, Hans Thoma oder Thomas Kaminsky (von dem übrigens auf dem Buch-Cover zu sehen ist), mit ihnen tauschen, ihr Leben in Armut teilen, ihren Kampf um Anerkennung, ihr Scheitern, ihre Lieben, oder doch lieber aus gewissem Abstand beobachten, im behütet begüterten bürgerlichen Wohlstand bleiben – denn auch, ach, wir wären doch so gerne auch einmal zwischen all diesen Spannungsbögen aus Leid und Triumph, dem großem Glauben an sich selbst und in einem Leben allein voller Leidenschaft. Wir gönnen es ihnen durchaus. Aber wir selbst? Nie.

Alb träumt

Alb träumt

Kolportage-Roman

  • 384 Seiten
  • Reihe Die Hauptwerke
  • mit Lesebändchen

978-386638-136-0

22.00 € Bestell-Anfrage

über Hans Arp und seine Plastiken

im Bahnhof Rolandseck

Eine Kolportage rund um die Verfertigung von Kunstwerken, die bisweilen seltsamen Werke im Hans-Arp-Museum und um den Umbau des Bahnhof Rolandseck.

Die Skulpturen basieren auf Abgüssen, die von Arp weder autorisiert wurden, noch wenigstens von ihm als Gußformen vorbereitet worden waren. In einem Bauwagen auf dem Gelände einer Kunst-Gießerei finden sich Belegstücke dafür, daß es nicht mit den lautersten Miteln zugegangen sein mag bei der Ausstattung einer Sammlung, die einen ganzen Museumsbau provozierte … und eben den vorliegenden Roman.

… ein durch Zugabe von Kupfer und Magnesium, Mangan und Silizium legiertes und ausgehärtetes und dadurch wie stählernes Aluminiumstück, das die Witfrau dem Bahnhof, wer immer das sein mag, wie einen Orden oder ein Organ spendete, es wurde 1980 vom Majordomus für 450000 DM an das Land verkauft, eine schöne, leider extrem überteuerte Geste für ein gnitzes Ding … doch der Majordomus holte immer das Drei- bis Vierfache des Wertes heraus: was geht, das geht …

Worum geht es hier? Whodunit?

Mit jedem neuen Artikel legte ich Beweise für die überraschend schlechte Qualität zahlreicher Werke nach, zerpflückte die wohl absichtsvoll kursorisch knappen Herkunftsnachweise und erklärte die behaupteten Datierungen als unseriös … Ich schrieb in einer Art von Journalismus, der sich nicht im Nachbeten einfach vorgelegter Behauptungen erschöpfte, sondern Fakten brachte, die durch eigene Nachforschungen entstanden waren, daher waren meine Texte zwar amüsant zu lesen, aber nicht zu widerlegen, eine für den Majordomus und die Kulturbürokratie des Landes schlecht nur auszuhaltende, zusehends unangenehmere Situation …

Titel-Foto: Burkhard Maus

 

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