MULTIPLES von Axel Dielmann

Auf dieser Seite sind einige MULTIPLES von Axel Dielmann zu sehen. Diese Multiples haben unterschiedliche Auflagen, bislang von 2 bis 222 Exemplaren. Sie sind, zumeist verso, mit Titel sowie einer Auflagen-Nummer (eigentlich und dem Multiple angemessen: einer Artikel-Nummer, also Art.Nr.) versehen und signiert. – Zu einigen der Multiples gibt ein begleitender Text entbehrliche Informationen. Die folgenden Abbildungen dazu können mit Doppel-Klick aufgeklappt und geblättert werden.

 

Mobi(DickSushi)lé

Mobi(DickSushi)lé

(Auflage: 222)

Art.Nr.000/222

Man dreht ihnen eine Nase – ab: Dann spucken sie Soja. Das bietet dem Wasabi des Sushis ein süß-freundliches Paroli. – Die Fische indes läßt es leer und mülleimernahe zurück, arme, nur allzu durchsichtige Kreaturen. Es sei denn:

Man hängt sie auf. Herrje, ein Mobilé! – Fünf schwimmen im Schwarm rotnasiger Einheitlichkeit, einer dümpelt grünnasig gegen den Strom. Es sei denn, die Luftverhältnisse änderten ihnen allen die Richtung. Aber darüber ist von hier aus nicht viel zu sagen, es muß jeder Aufhänger der Fischlein vor Ort erkunden, wie seine Strömungen sind.

Ganz in ihrem Element sind die Fische kurz nach dem Aufhängen: Wo die Eßstäbchen nicht ganz zu Ende balanciert sind, empfiehlt sich die tropfenweise Befüllung des jeweils zu leichten, aufwärtsstrebenden Fisches – mit Wasser, womit sonst sollte man Fische füllen? Zum Transport, auch zur Übergabe als Geschenk etwa, sind sie mitsamt ihren Eßstäbchen und Angelschnüren in einer asiatischen Styropor-Essensbox verstaut, die ordentlich mit ihrer Art.Nr. beschriftet und nach eingehender Qualitätskontrolle mit einer Signatur versehen ist. – Man sieht, alles wird gut und kommt zusammen, wie es zusammen gehört.

Beim meditativen Betrachten gedenken wir Alexander Calders sowie des großen Japaners Haruki Murakami. Warum? Einfach so! Und dann drehen wir noch eine Runde im Luftkarussell! (Ins Foto klicken, um mehr zu sehen.)

Zu sehen sind …

einige ausgesuchte Multiples

bei Katrin Feller im Laden100:

Friedberger Landstraße 100 in Frankfurt am Main (Nordend)

Multiples-Info

Multiples-Info

 


Möchten Sie weiteres sehen oder erfahren? Dann wenden Sie sich gerne an:

Axel Dielmann

neugier@dielmann-verlag.de oder 069 / 94359000

(Fotos: Monty Cross; Irina Ballandina; axel dielmann – verlag)

 

Fassen wir einmal zusammen:

Multiple

Die miniaturhafte Kunstform des Multiples formuliert die Möglichkeit eines Verlustes, den es nicht unwidersprochen lassen will: Mit einiger Wahrscheinlichkeit gibt es drei bis vier Generationen nach ihrer technischen Reproduktion keine Originale (und schon dieser Plural ist Hinweis darauf) mehr. Aus Massenartikeln wählt das Multiple aus, seriell vorfindbare Stücke stellt es heraus, formatierte Produkte arrangiert es so, daß die Diskrepanz zwischen Einzelnem und Schablone spürbar wird, wo sie längst eingeebnet wurde. Das Multiple verachtet das Monumentale, dem Einzigartigen mißtraut es. Es betrachtet die Welt als Wiederkehren von Elementen und meint, daß das Ideal des Individuellen wie der Traum vom Allgegenwärtigen sich an einigen Objekten von numerierbarer Auflage treffen. Irgendwo zwischen dem Teil und dem Ganzen, halbwegs Singularität und Numinosem.

Insofern ist das Multiple, künstlerich betrachtet, Ausflucht – in den Mülleimer damit! Der seinerseits ein Massenartikel ist, sogar virtuell Ubiquität erreicht hat – vielleicht ließe sich daraus ein Multiple machen?

Axel Dielmann, 2013

Die Länge der Temperatur

Die Länge der Temperatur

(Auflage: 140)

Art.Nr.000/140

Es war geschehen, daß »Die Länge der Temperatur« bestimmten Ereignissen aus meiner eigenen kulturellen Umgebung entsprach: Was einer fremden, mindestens fernen Kultur selbstverständlich ist, färbte beispielsweise eine Hochzeit von zwei befreundeten Menschen menschlich, beschrieb die Heimeligkeit des Umzugs eines Freundes heimelig. »Die Länge der Temperatur«, die ja ein fester Maßstab ist, als weichbewegliches Blatt mitzubringen, schien der Tragweite der Ereignisse unangemessen. Zudem lag nahe, den jeweiligen Iglu, in den »Die Länge der Temperatur« mitzunehmen angezeigt schien, mit einer Plakette auszustatten, »Die Länge der Temperatur« vor Ort anzugeben. So entstand die Tafel. Ihre Auflage hat Gründe, die sich außerhalb von Temperaturmessung und Längenbestimmung finden. – Der messingfarbenen Tafel ist ein Tütchen mit 4 Schrauben, 4 Abstandhülsen aus Messing sowie 4 Dübel zur Befestigung in einer Wand des eigenen Iglus beigegeben. (Ins Foto klicken, um mehr zu sehen.)

dielmanns sehr gute Party-Beutel

dielmanns sehr gute Party-Beutel

(Auflage: 60 Exemplare)

Art.Nr.00/66

dielmanns sehr gute Party-Beutel: Daß sie frisch sind, merkt man am Geruch: sie stinken. Asche, Zigarrenstumpen, Kippen sind heikle Dokumente, ihre Archivierung verlangt besondere Aufbewahrungsformen.

Das Wesen des Party-Beutels bleibt Vergegenwärtigung. Die Gläschen, die man eins ums andere mit den Gästen getrunken hat, tragen zu der weidmännischen Stimmung, in der man herumgeht, wenn sie alle am Ende der Party gegangen sind, doch bei. Man inspiziert den Bestand an vollen Aschern, die Flecken in Teppich und Sofa, kalkuliert Wiederherstellbarkeiten. Dies schon Versicherungsfall, hier das später aufzugreifende Brandmal für schmuckreiche Erzählung. All das nur am Rande. Vielmehr ist es Rekapitulation des Abends, seiner Lacher, Neuigkeiten, Nettigkeiten, Erlebnisse. Als ich im November 1998 erstmals den Eindruck haben mußte, es sei etwas so nicht wieder zu feiern, in seiner Konstellation nie wieder zu erreichen, sollte das festgehalten werden. Erstaunlich, wie ein Abend zu schimmeln begann in seinem Etui, da es besonders viel Essen gegeben hatte, wovon extrem viele Tellerrückstände eingetütet werden mußten – würde das Eigenleben im Party-Beutel aufhören? Wie weit würde das Fortleben der Party währen, wie ihre Nachfeier ausfallen? Es war abzusehen, daß einige der sehr guten Party-Beutel geringere Halbwertszeit haben würden als andere, daß also auch insofern die Kultur der Party aufrecht zu erhalten ist, jedenfalls weitere Feste gefeiert werden müssen.

Hinein kommt, was Spaß machte. Es ist natürlich viel Asche, selbstverständlich Wein- und Kronkorken, Schraubverschlüsse in zunehmender Quota, Zigaretten-Schachteln und Zigarren-Banderolen abnehmend, Gebrösel von Kräckern und Crackern und Gebäck und Servietten und Geschenkpapiere je nach Anlaß und Jahreszeit, Tischdekobruch entsprechend Zweck oder Zielsetzung des Abends, auch ein Fest hat ein Gesicht, jedenfalls im Vergleich, der Umfang seiner Rückstände muß nicht die Gästezahl spiegeln, auch nicht das Gewicht seines Anlasses, es gibt drei Größen. Wichtig schien, die Party zugänglich zu halten. Öffnen sollte man »dielmanns sehr gute Party-Beutel« dennoch nicht leichtfertig, man belebt nichts wieder durch Eröffnen, Zugang findet nicht über Eingänge statt, also bleibt die Frage: Wie aufbewahren? Der schlichte Ansatz, einen Nagel in die Wand zu treiben, das Beutel-chen daranzuhängen, fertig – zu schlicht. »dielmanns sehr gute Party-Beutel« sind eine Darreichungsform. Gedacht werden kann an eine Pappschachtel. Gut wäre, mit Sichtfenster aus Cellophan obenauf.

Wie aber »dielmanns sehr gute Party-Beutel« darin fixieren? Weiter gefragt: Einzeln? Oder in Sets? Diese von Beuteln gleicher Größe? Oder in Sortierungen? Es gibt keinen Grund, Gäste, Dauer, Umstände oder Anlaß der Party zu benennen oder die Party-Beutel zu datieren. Sie waren hilfreich. Sie sind sehr gute Party-Beutel.

Daß sie frisch sind, merkt man am Geruch: sie stinken. Asche, Zigarrenstumpen, Kippen sind heikle Dokumente, ihre Archivierung verlangt besondere Aufbewahrungsformen.

Das Wesen des Party-Beutels bleibt Vergegenwärtigung ...

kreuzweise, aufgelöst

kreuzweise, aufgelöst

(Auflage: 200 Exemplare)

Art.Nr.000/200

 

 

 

 

 

 

Eine Ausstellung vom 24. Mai bis 9. Juni 2013

in der Klosterpresse Frankfurt am Main, liebenswert eingeleitet von Vollrad Kutscher, zeigte alle vorigen und zudem die

Sammlung dielmann / Öffentliche Hand

(Auflage: 555 Exemplare – HIER waren sie früher vollständig zu sehen)

sowie erstmals die Party-Beutel, genauer gesagt:

Ein Monat Nabelschau

Ein Monat Nabelschau

(Auflage: 24 Exemplare)

Art.Nr.00/24

Nabelschau: Im November 1999 hatte ich ein körperliches Problem:

Abends, beim Zubettgehen, als ich meine T-Shirts auszog, entdeckte ich öfters kleine Ansammlungen von Fusseln in meinem Bauchnabel. Offenbar war dies Abrieb, abgerubbelte Fasern des T-Shirt-Stoffs, Baumwolleflusen, die sich hier sammelten, festsetzten. Darauf einmal aufmerksam geworden, zeigte es sich, daß letztlich jeden Abend etwas von meinen Hemden sich auf- und abgelöst hatte, in meinem Nabel sich konservierte über den Tag, kleine Reservoires meiner Wäsche bildete und parasitisch an meinem Körper verblieb, sich Schlupf suchte. Mal waren das winzige Knödelchen, dicht und zu Würstlein gedrechselt, mal wolkig luftige Knäuel, gelegentlich kleine-Fingerkuppen-große Bollen, und über Tage und Wochen entdeckte ich, daß sie, von denen sie herrührten, die Farben meiner Shirts oder Polohemden getreulich wiedergaben: über die Woche zumeist geschäftsmäßig weiß, an den Wochenenden des öfteren grau, blau oder grün, je nach getragenem Kleidungsstück. Auch rote gab es, ganz wenige schwarze. – Gab es einen Nexus zwischen gepuhlter Menge und Arbeitsamkeit über den Tag? Und wohin mit den Batzen? Rasch noch einmal vorm Schlaf- ins Badezimmer – ins Waschbecken also damit und weggespült? In den Mülleimer der Küche bringen? Klo? Am Bett fallen und dem allsamstäglichen Gang mit dem Staubsauger zum Fraß lassen?

Beim schlurfenden Weg zum Kücheneimer fiel mein Blick auf eine kleine alte Büchse, Edelbitterschokoladendöschen, das hübsch anzusehen, aber noch ohne Verwendungszweck geblieben war – schwups. Hinein mit dem Knödel. Dem sich dann über die Tage, Abende, Wochen die bunte, gestaltreiche Vielfalt meiner Ausbeuten zugesellte. Eine alberne Nabelschau, dachte ich eines Abends, vergnügt schmunzelnd über meine Pflückungen und Konserierungen, die Rettung der sich aufreibenden T-Shirts.

Als ich den Weichnachtsnachmittag 2007 allein verbrachte, besinnlich gegen das Jahresende denkend, beschloß ich, »Ein Jahr Nabelschau« aufzukleben und zum Abschluß des Jahres zu rahmen. Später folgten einige Kästen und Rahmen mit Nabelschau-Wochen und Nabelschau-Monaten, sorgfältig beschriftet nach Tag und Jahr. Die Wochen hielten nicht stand, die Monate sehr wohl, die Sache bekam System, das Phänomen hatten seinen Namen – mein körperliches Problem war gelöst.

Die Frauen in meinem Leben, soweit sie seither den Moment des T-Shirt-Ausziehens mit mir teilten, fanden das sehr skurril. Wie auch immer, die Ausbeute blieb: unvermindert über die Jahre füllen sich die Bauchnäbel meiner Tage mit Knödeln aus Baumwolle und sonstigem Textil, meine Körperwäsche löst sich auf, unmerklich, aber sichtbar, und die Nabelschau gedeiht.

Ein Jahr Nabelschau

Ein Jahr Nabelschau

(Auflage: 4 Exemplare)

Art.Nr.0/4

Haustiere

Haustiere

(Auflage: 50 Exemplare)

Art.Nr.00/50

Haustiere: Es war in der Zeit nach dem Abschluß der »Sammlung dielmann / Öffentliche Hand« im Dominikanerkloster Frankfurt. Ich hatte von dieser Leidenschaft für herrenlose, im öffentlichen Raum gefundene Handschuhe her den Blick immer auch am Boden, ich ging aus und behielt die Straße im Augenwinkel, fuhr zu einem Treffen und scannte den Straßenrand, war mit dem Fahrrad unterwegs und betrachtete mit der Aussicht über Mainufer oder Stadtwaldlichtungen auch die Bordsteinkanten und Ränder der Verkehrsinseln. So war ich auch in der Wohung unterwegs, man hört ja nicht auf mit seinen Verhaltensweisen, nur weil man zuhause ist, legt seine Schrullen weder vor noch hinter der Haustür ab! Blick also zum Teil am Boden – die Erde nicht vergessen beim Unterwegssein! – Das war damals Vorgabe für meine Blickrichtung.

Zum anderen war es eine neue Wohnung, in der ich lebte, und sie war mit Parkett ausgelegt. Wo in der vorigen Wohnung Dielen mit breiten Ritzen und unregelmäßigsten Nägeln und groben Astlöchern einen in sich unruhigen Boden gebildete hatten, hatte ich nun einen glatten, sanft gemaßerten Fußboden, herrlich! Darauf aber hatte ich kurz nach dem Einzug zufällig einen kleinen Käfer gefunden, tot, auf dem Rücken liegend, tags darauf einen zweiten gleicher Art, Frühlingsausflüge eben geschlüpfter Tierchen wahrscheinlich – aber nun war eine Form von Wachheit für winzige Erhebungen in mir geweckt, für Partikelchen und Pickelchen am Parkett.

Wo immer mir ein Fremdkörper auf dem Boden auffiel, trat ich näher, beugte mich, besah das Etwas mit der Vermutung, einen neuen Käfer, ein anderes Insekt zu finden. Am Ende des langen Flurs ein Wollknödelchen in der beige-braunen Käferfarbe? Entwarnung, in diesem Fall wohl einem Pulloverflusen geschuldet! – Neben dem Bett ein längliches Dingelchen, das im Luftzug unter der Schlafzimmertüre vibrierte, grau, unscharf, die Ränder haarig gar? Nein, kein Vieh, nur ein schlichter Staubbotzen, der dem Sauger entgangen war. – Fühlerhafte Verlängerungen an einem Ende, schwarz, rötlich gesprenkelt, dicklich gewölbt, ihh, ein Vieh, knapp vor der Lamberie-Leiste des Wohnzimmers? Aber nein, ein kleiner Abrieb vom Stoßband eines Hosenbeins, das sich mit Bröseln meiner Hausschlappen vermischt und zwei wer weiß woher gewehte Härchen einverleibt hatte.

Seltsame Haustiere. Die mich immer wieder einmal foppten. Denen ich mich zubeugte, die mir den Verdacht einer insektischen Invasion eingaben, mir Getier vorgaukelten, wo einfach der Abrieb des Alltags sedimentierte und sich, Staub zu Staub, mit dem Zahn der Zeit vermengte, Asche zu Asche, und eine künstliche Natur-Welt in meiner Wohnung simulierte. Ich blieb dabei, ich simulierte mit, würdigte meine fehlgeleitete Aufmerksamkeit durch Angabe von Fundort und Datum. Aufgepiekt unter Simulation insektenkundlicher Neugier und Vorspiegelung schmetterlingssammlerischer Akribie auf Nadeln, ein wenig Fantasie beim Schreiben des Bestimmungsschildchens, und ab in einen Rahmen hinter Glas mit dem Zeug. – Den Rest kann man kennen von eigenen Zwanghaftigkeiten. (Ins Foto klicken, um mehr zu sehen.)

Neue Süßigkeiten

Neue Süßigkeiten

(Auflage: 100 Exemplare)

Art.Nr.000/100

Kontakt-Zange

Kontakt-Zange

(Auflage: 33 Exemplare)

Art.Nr.00/33

Kontaktzange 01/33 bis 33/33: In einer Blauen Stunde des Jahres 2005 entschloss ich mich, einige kleinere Reparaturen in meiner Wohnung eher selbst vorzunehmen, als einen günstigen Allrounder von Handwerker beizuziehen. Eine Deckenlampe fehlte seit meinem Einzug vor drei Jahren hinten im Flur. Zwei Handtuchhalter hatten an einen Vorbau der Küche gesollt, waren gekauft und noch mit ihren Preisschildern und in der Plastikfolie verpackt liegen geblieben. Im Bad mußte eine Glühbirnen-Fassung über dem Spiegel ausgetauscht werden. Phasenprüfer, Schraubenzieher, Dübel- und Schraubenkasten, Akuschrauber, Abisolierzange … Abisolierzange? Wo war die hingekommen? – Schönes Wort: Abisolierzange. Schönes Werkzeug. So man es findet. Und wieso negativ gewendet? Die Abisolierzange ist doch, weil sie ihn herstellt, Kontaktzange!

Hiermit hat man ein schönes Instrument zur Hand: Morgens trete man heran an die Wand, nehme die Kontaktzange von den beiden Trägerstiften, auf denen sie im Ruhezustand, also während Nichtbenutzung an der Wand hängt, betrachte die Figürchen in ihrer Distanz – und mit einigen trainierenden Anspannungen in der Hand sieht man ihnen zu, wie sie sich näher kommen, berühren, küssen. Schön. Nun rückwärts. Die Hand entspannen, die Figürchen entfernen sich. Oder die anderen beiden: Zudrücken, zwei Mädels in kecken Miniröcken geben sich High-Five. Nachlassen. Ruhestellung. Sie winken im Stillstand.

Oder zwei andere, rundlicher Herr im Caban er (ein schönes Kreuzworträtselwort, siehe dort), links einen Koffer, rechts einen Koffer, gegenüber sie, unförmige Dame im Regenmantel (Schönheit der Wörter, wie schade dass sie kein Chasuble trägt), mit Köfferchen rechts und Schirmchen links bewaffnet, drück' zu! Und sie lassen die wohlständigen Kugelbäuche aufeinander prallen, bevor sich Lippen zum Kuss oder Hände zum Gruß oder Unterleiber … berühren könnten. Entspannt hänge man das Paar seiner Wahl, die Kontaktzange des Bedarfs zurück. – Am Abend kehrt man von seinem Arbeitsplatz nach Hause oder kommt von einer abendlichen Verabredung mit unbefriedigendem Ausgang zurück – wieder sind es die Figürchen auf den Backen der Kontaktzange, die uns einen kurzen Moment der Nähe erleben lassen. Sei nicht unzufrieden!

Carpe diem, gerade im Kleinen! Apropos: Nicht leicht, die kleinen Wesen an genau der richtigen Stelle zwischen die V-förmige Aussparung der Zangenbacken zu kleben, dort für die Dauer des Trocknens eines geeigneten Klebers, der Eisenbahnfigurenkunststoff nicht an-, gar auflöst, zu fixieren.

Unmittelbar ergab es sich, daß die Zangen eine sichere Aufbewahrung forderten, zu leicht machten sich die in die Zange genommenen Winzlinge trotz adäquatem Klebstoff selbständig. Zudem, ein Sponsor für die nicht günstigen Werkzeuge hatte in ansprechender, Rost meidender, weil Fettung erhaltender, sehr schön den 50er Jahren verpflichteter Verpackung zwei Dutzend rothalteriger Abisolierzangen geschickt, man beharrte auf dem Terminus, gab sich (Firma Knipex) indes interessiert am Kontakt zu neuen Nutzergruppen. Das schrie nach Serie. Aber nicht übermütig werden, im Kleinen wie im Großen, Auflage 33, eine geheimnisvolle Zahl das, und die mittelgroße Serie forderte eine individuelle Halterung. Sockel? Holzklötze aus Vierkantholz, gehobelt, Balkenstärke 75 mal 90, auf 18 cm Länge »geschnitten«, wie die leichthändig an der Kreissäge manipulierende Schreinerin, die Holzhändlerin ist, es sagt, gefast, das ist leicht abgeschrägt an den Kanten, man lernt, mit der mittelgroben Feile, zuletzt oben in die länglich-schmale Seite zwei Löcher in leichter Schräge gebohrt, dahinein die Griffe der Kontaktzangen sich stecken lassen. Schildchen mit Faden anhängen nicht vergessen! Nummer 1 bis 33. (Ins Foto klicken, um mehr zu sehen.) – Nur leider sind mir die beiden Mädels zum Give-me-Five nicht mehr untergekommen, und es wirkt albern, immer wieder in Modellbau- und Spielwarenläden zu stehen und Fünfjährige oder Söhne von Freunden oder eigene Spur-H0-Leidenschaften zu erfinden, oder, schlimmer noch, sich nach daumennagelgroßen Damen im Mini zu erkundigen. Alles hat seine Grenzen!

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