Michael Wäser

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Michael Wäser wurde 1964 im Saarland geboren, war als Schauspieler an verschiedenen deutschen Staatstheatern tätig. Er ist Mit-Organisator der Pankower Lesebühne So noch nie, Berlin. Bislang veröffentlichte Romane sind »Familie Fisch macht Urlaub« sowie »Warum der stille Salvatore eine Rede hielt«, beides großartige Lektüren, insonders der zweite ist einer der bewegendsten Romane, die ich gelesen habe!

Mehr über den Autor Michael Wäser auf seinem Blog www.konsonaut.wordpress.com und bei literaturport.de

sowie unter unseren Veranstaltungshinweisen.

Und zudem ist ab Mitte Januar 2018 das mehrteilige und im Wechsel mit Inka Bach geschriebene Gedicht »Am Neuen See« zu nennen, das in unserer Zeitschrift für Literatur SCHRiTTE in den Kaffeehäusern zu lesen ist.

 

In uns ist Licht

In uns ist Licht

Roman

  • 280 Seiten Hardcover
  • mit Lesebändchen
  • Reihe ETIKETT

978-3-86638-261-6

20.00 € Anfrage

Der Roman von Michael Wäser ist in zwei Handlungsfäden erzählt, der eine spielt um 1830 in Paris und Berlin in der Welt der Porzellanmanufakturen, der andere Handlungsteil ist in der Gegenwart angesiedelt. Die beiden Stränge sind in kapitelweisem Wechsel erzählt und verweben sich peu à peu:

Um 1830 hat sich ein begabter Porzellangestalter, der in Paris Lithophanien herstellt, in eine junge Adelige verliebt. Heimlich schreiben sie sich Briefe, während die großen Umbrüche der Restauration stattfinden. Schließlich muß der verliebte Porzallankünstler nach Berlin, wird hier mit seinem außergewöhnlichen Können und Wissen um Porzellan-Bilder mit offenen Armen aufgenommen. – Im zweiten Erzählfaden hat ein Flüchtling, einst in seiner Heimat Foto-Journalist, sich im heutigen Berlin mit einem älteren Ehepaar angefreundet. Sie bitten ihn, eine ungewöhnliche Serie von Lithophanien für sie zu fotographieren, die sie antiquarisch erstanden haben. Ist auf einer dieser Platten etwa ein Verbrechen abgebildet? Dokumentieren die Lithophanien gar einen unentdeckten Mord am Ufer der Seine?

Auf den ersten Blick sahen die Kacheln mehr oder weniger gleich aus, jedenfalls sechs der sieben Kacheln. Alt und gleich, so gleich, wie alte, hier und da etwas angeschlagene Keramik aussehen kann. Was daran so besonders war, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, und wenn Ingrid und Lothar gewusst hätten, dass sie auf der letzten Strecke ihres Lebens noch einmal so herausgefordert würden, wären die Kacheln ganz sicher in dem Kästchen geblieben, in dem sie sie aufbewahrt hatten. Doch jetzt lagen die Stücke vor mir auf dem Tisch und ich wollte sie so gut wie möglich fotografieren.

So beginnt der eine der Fäden des Romans. Gemeinsam recherchieren die drei. In Paris, Sevres und der König­lichen Porzellanmanufaktur KPM in Berlin hilft man ihnen und sie sind fasziniert von der Welt des Porzellans – und hier beginnen sich die beiden Handlungsebenen zu verbinden.

Michael Wäser, der unter anderem vom Deutschen Literaturfonds für seine literarische Arbeit ausgezeichnet und gefördert wurde, erzählt mit subtiler Kenntnis vom »weißen Gold« und mit großer Begeisterung für dessen Symbolkraft. Er hat in zwei Zeiten höchst sensibel Figuren und Lebensformen gezeichnet, die uns in ihren jeweiligen historischen und persönlichen Bedingtheiten anrühren. Dabei hat er – wie bereits in seinem Roman-Glanzstück »Warum der stille Salvatore eine Rede hielt« – einen Roman geschrieben, der reich an ungewöhnlichen Figuren und an eindrücklichen, lebhaften Szenen ist. Daß erzählerische Kunstfertigkeit nicht zu weltenthobener Unterhaltung abstumpft, hatte er bereits in seinem Roman »Familie Fisch macht Urlaub« bewiesen, hier nun leuchtet er in hartem, fotographischem Blick die politische Geschichte der Gleichberechtigung aller Menschen aus (beziehungsweise deren 250 jähriges Mißlingen!) wie er auch die menschlichen und gesellschaftlichen Wirkungen halbherziger Flüchtlingspolitik vorführt.

Ich habe dich gesehen und mit allen Atemzügen wollte ich, dass du mein bist. / Du bist jetzt mein, und ich kann mich nur daran freuen, wenn ich dich mit meiner Haut spüre oder mit meinen Augen sehe. Wenn ich deine Stimme höre an meinem Ohr. / Sonst habe ich Angst, dass du nicht mein bist. Je mehr ich dem Himmel danke für dich, je tiefer ich dich liebe, es führt mich immer tiefer in die Hölle, so kommt es mir vor. Die Hölle ist, dass ich dich verlieren könnte. Die Hölle ist die Angst, dass sein könnte, was gar nicht ist. Es wird immer dunkler um mich, wenn du nicht bei mir bist. Jedesmal noch dunkler. Ist das nicht, was man verrückt nennt? Unsere Liebe, sie wird mit jedem Tag ein größeres Wunder, und mit jedem Tag wird die Angst grausamer und gräbt sich genau so tief in mich hinein. Wieso muss das so sein?

Die Wucht des Verliebtseins, die Härten der Heimatlosigkeit, die Macht von Freundschaften und Empathie sind Michael Wäsers große Themen – er gewinnt ihnen wesentliches ab und berührt mit seinem Erzählen, weil er die Gefährdung all dessen ständig ergreifend mit erzählt.

Ich war ein Luxus-Flüchtling. Gerade als ich auf die Entscheidung zu meinem Asylantrag wartete, waren viele auf der Flucht nach Europa. Es wurden sogar immer mehr. Oft Hals über Kopf aufgebrochen, retteten sie ihr nacktes Leben vor dem Bürgerkrieg in Syrien, vor dem Hunger und der Gewalt in Afrika, kratzen ihr letztes Geld für Männer zusammen, die sie mit Hunderten anderer auf Seelenverkäufer pferchten und übers Meer schickten. Manche verscherbelten ihren Körper oder Teile davon, um das nötige Geld zusammenzukriegen. Das Angebot an Nieren war so groß, dass die Preise fielen, wurde gemeldet. Im Fernsehen bei den Dudeks brachten sie Bilder von Leichen, die aus dem Mittelmeer gefischt wurden. Hunderte von Leichen. Womöglich Tausende. Ich sah nicht viel Fernsehen, nur zufällig nebenbei, wenn ich bei den Dudeks war. Ich ging den Nachrichten aus dem Weg.

Ich freue mich über das Buch eines großen Erzählers in meinem Verlagsprogramm!
 

 

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